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Die Lektüre
des Magazins "Der Spiegel" Nr. 35 vom 29. 8. 05 begann
mit einer nicht geringen Überraschung. Auf Seite 131 ist ein
Interview mit dem Sozialmediziner Matthias Egger aus Bern abgedruckt.
Es geht um die Wirksamkeit der Homöopathie. Tenor der Studie:
Homöopathie wirkt nicht besser als ein Placebo. Die beiden
letzten Sätze des Interviews sind bezeichnend:
Frage "Spiegel": Kann die Homöopathie dennoch nützen,
und sei es als Placebo?
Antwort Egger: Die Frage ist: Darf ich als Arzt einem Patienten
guten Gewissens zu einer Behandlung raten, von der ich jetzt endgültig
weiß, dass sie objektiv keine Wirkung hat?
Da kommt man natürlich als langjähriger Therapeut, der
sowohl mit Einzelmitteln und auch mit Komplexmitteln (wohlgemerkt
mit beiden) sowohl bei seinen Patienten als auch an sich selbst
und seiner Familie unzählige Erfolge erzielt hat, ins Grübeln.
Sinnigerweise stößt man, wenn man im "Spiegel"
eine Seite weiter blättert auf einen höchstinteressanten
mehrseitigen Artikel zum Thema: "Sinnlos unterm Masser - Das
Geschäft mit überflüssiger Medizin" (es geht
um die unzähligen unnötigen Operationen) - Zufall oder
Absicht - Wer weiß?
In der gleichen Woche bringt die "Frankfurter Allgemeine"
am Mittwoch in der Beilage "Natur und Wissenschaft" gleich
links (wo man als erstes hinschaut) eine seitenlange Spalte mit
dem Titel "Nur Schein?".
Er beginnt mit den Worten: Auf die große Mehrzahl der Ärzte
wirkt der Name Samuel Hahnemann wie ein rotes Tuch.
Aber trotzdem hat die Homöopathie nicht an Anziehungskraft
eingebüßt. Und die überaus naive Argumentation,
daß in Hochpotenzen kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz
mehr anzutreffen sei und sie daher überhaupt nicht wirken können,
wird natürlich auch, allerdings kommentarlos, erwähnt.
Der sonst meist fällige Vergleich mit dem Bodensee, in dem
man etwas auflöst etc, dürfte den meisten homöopathischen
Therapeuten hinlänglich bekannt sein.
Die Homöopathie ist vielen Schulmedizinern und wahrscheinlich
nicht minder den allopathischen Pharma-Firmen ein Dorn im Auge.
So erscheint in der August-Ausgabe der international renommierten
Medizinzeitschrift "The Lancet", in der auch der Artikel
über die Homöopathie, auf den sich "Spiegel"
und "FAZ" beziehen, enthalten ist, eine Kritik über
eine zu wohlwollende Einstufung der Homöopathie in einem Report
der Weltgesundheitsorganisation WHO.
Nun aber zum eigentlichen: Der Titel jener besagten Veröffentlichung
lautet:
Sind die klinischen
Effekte der Homöopathie Placebo-Effekte? Vergleichende Studien
von placebo-kontrollierten Versuchen von Homöopathie und Allopathie.
Für diese
Beurteilung wurden von der schweizerisch-britischen Forschergruppe
220 Studien ausgewertet. In der einen Hälfte ging es um homöopathische
Behandlungen, in der anderen Hälfte um allopathische, also
klinische Behandlungen. In allen Behandlungen wurden auch Scheinbehandlungen
als Kontrolle mit einbezogen.
Bei den Krankheitsbildern ging es um verschiedene Erkrankungen:
Um Atemwegserkrankungen, um Pollenallergien (Pollinosen) und um
neurologische Probleme.
Laut "Lancet" kamen bei der homöopathischen Behandlung
folgende Mittel zum Einsatz
a) Klassische Homöopathika gemäß einer Repertorisierung;
b) wenn keine individuelle Therapie ermittelt werden konnte erhielten
die Patienten ein einzelnes, für alle gleiches Mittel (Klinische
Homöopathie). c) Komplex-Homöopathika d) Isopathika
Bei der Analyse
der Untersuchungen kommen die Forscher um den oben erwähnten
Schweizer Präventiv-Mediziner zum dem für die Homöopathie
schwer zu verdauenden Schluß: Die klinischen Effekte der Homöopathie
gingen nicht über Placebo-Effekte hinaus (wobei natürlich
auch einmal genau abzuklären wäre, warum Placbos überhaupt
eine Wirksamkeit entfalten).
Einige der Untersuchungen attestierten zwar der Homöopathie
erstaunliche Erfolge, hielten aber sog. wissenschaftlichen Anforderungen
nicht stand.
Auch den schulmedizinischen (allopathischen) Behandlungen erging
es nicht anders, allerdings schnitten sie etwas besser ab.
Nicht enthalten
sind in dem Artikel der Zeitschrift "The Lancet" die einzelnen
Homöopathika, die zum Tragen kamen.
Gerade wenn man homöopathische Behandlungen einer Statistik
unterwerfen will, dann schleicht sich beim Homöopathiekundigen
ein ungutes Gefühl ein. Wie will man der Individualität
des Einzelnen und vor allem seinen subjektiv empfundenen Beschwerden
gerecht werden, wenn man ihn in eine Statistik - die ja immer eine
Ausgeburt des naturwissenschaftlichen Denkens ist - hineinpreßt.
Greifen wir dazu aus den Behandlungen das Thema Atemwegserkrankungen
heraus. Diese können so viele "Ursachen" haben. Man
muß sich fragen, inwieweit wurde bei einer "Ursachen"-Findung
zusätzlich differenziert, ob ein Patient Raucher war, ob evtl.
Wohnraum- oder Umweltgifte eine Rolle spielten oder ob gar starke
Störfelder den Lungen-Meridian störten. Auch können
psychologische Probleme eine Rolle spielen: Der Volksmund in seiner
kollektiven Weisheit spricht nicht umsonst von "jemandem etwas
husten"
Wenn auch die
Kritik an der homöpathischen Behandlung unüberhörbar
ist, so dürfte diese Untersuchung kaum etwas an dem Verlangen
der Menschen nach einer nebenwirkungsfreien Behandlung ändern.
Denn - und das fehlt meines Erachtens in dem Vergleich mit der Allopathie
- wo sind die Angaben über die von der Schulmedizin verabreichten
Mittel und ihre Nebenwirkungen? Dies darf und muß eigentlich
bei einer derart groß angelegten Studie mit in die Ergebnisse
einfließen. Offenbar war das nicht gewünscht, denn das
hätte das Ergebnis wohl nicht im erstrebten Sinn beeinflußt.
Die ersten Folgen sind leider katastrophal: Die Schweizer Regierung
hat lt. "Lancet" die versicherungsmäßige Abdeckung
der Homöopathie und vier anderer Komplementär-Behandlungen
aufgekündigt, weil sie sich in ihrer Effizienz nicht wissenschaftlich
belegen lassen..
Man kann sich
des Eindrucks nicht erwehren, daß viele der Untersuchungen
nicht frei waren von Intentionen der Pharma-Industrie und ihrer
allzu willfährigen Protagonisten, denen ein Verbot der Homöopathika,
und sei es nur wegen angeblicher Wirkungslosigkeit, ein Herzensanliegen
ist. Und wenn schon nicht dieses Ziel erreicht werden kann, dann
muß diese Methode gehörig diskreditiert werden.
Jeder Zweifel kann gegen ein Heilmittel wirken - das wird jeder
kritische und ehrliche Arzt und Heilprktiker bestätigen - denn
man kann schwerlich gegen den Willen oder die Überzeugung des
Patienten arbeiten geschweige denn therapieren - oder sagen wir
besser "behandeln".
Denn das ist gerade eines der Pluspunkte der Homöopathie: Arzt
und Patient gehen eine Art symbiotisches Vertrauensverhältnis
ein. Es entsteht ein gemeinsamer Glauben an die Wirksamkeit der
homöopathischen Mittel. Nicht anders dürfte es bei einer
Reihe von anderen komplementären Heilmethoden sein - sei es
die Mora-Therapie, die Bioresonanz-Therapie, die Farb-Therapie -
um nur einige zu erwähnen. Wissenschaftiche Methoden greifen
da immer zu kurz, da mit ihren Methoden gleich welcher Art das Erfassen
der subjektiven Tiefe (so möchte ich es einmal nennen) nie
gelingt.
Und so ist denn auch die Zusammenfassung in "The Lancet"
nicht ganz frei von dem subtilen Vorwurf an die klinische Medizin,
warum sie denn mit ihren Therapie-Methoden so oft an den Bedürfnissen
und den Wünschen der Hilfe suchenden Menschen vorbeigeht.
Auf der anderen Seite gibt es die vorurteilslosen und vorurteilsfreien
Patienten - und dies ist ein unglaubliches starkes Argument für
die Homöopathie. Es sind die Kinder und die Tiere - gerade
bei diesen beiden Therapie-Gruppen wirkt die Homöopathie so
exzellent.
In der Zeit des Abfassens dieses Artikels erzählte ich einer
Patientin davon, daß man bemüht und bestrebt ist, Hömöopathie
in die Nähe einer Placebo-Wirkung anzusiedeln.
Da lachte sie laut und sagte: "Ich behandele meinen Hund und
meine Katze seit rund zehn Jahren nur mit Homöopathie. Glauben
Sie allen Ernstes, daß es meinen Tieren nur mir zuliebe besser
geht oder daß die sich verstellen?"
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dr. Dietrich
Volkmer
www.drvolkmer.de
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