|
Ein schöner
Tag, die Sonne scheint, das Thermometer zeigt 12 Grad an, die Vögel
singen. Draußen im Garten strecken keck die ersten Gänseblümchen
ihre Blüten heraus, vereinzelt zeigen sich auch bereits die
gelben Köpfchen des Löwenzahns.
Am Rand blicken die Spitzen der Osterglocken heraus.
Man könnte meinen, es sei ein Tag im März, Vorfrühlingsstimmung.
Irrtum !
Der Blick auf den unbestechlichen Kalender schafft eine verblüffende
Klarheit: Es ist der 15. Januar - also ein Tag mitten im Winter.
Überall hört man nun das Gerede von der globalen Erwärmung.
Ist da wirklich etwas dran?
Al Gore, der
ehemalige amerikanische Vizepräsident unter Bill Clinton, der
bei seinem Versuch, sich gegen Bush ins Präsidentenamt wählen
zu lassen unterlegen war, hat offenbar seine nunmehr vorhandenen
politischen Vakanzen dafür verwendet, sich um die Probleme
der Umwelt zu kümmern.
Für einen prominenten Amerikaner immerhin ein bedeutsamer Schritt.
Sagt man doch gerade den Amerikanern nach, dass sie sorglos, allzu
sorglos mit der Energie und den Ressourcen unserer Welt umgehen.
Bei rund 250 Millionen Einwohner verbrauchen sie rund 25 Prozent
der Weltenergie (Erdöl, Erdgas, Strom etc).
Und es sind auch die Amerikaner, die sich geweigert haben, das Kyoto-Protokoll
zu unterzeichnen, das die Signatoren zu einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes
verpflichten sollte, in dem man ja die Hauptursache für die
verhältnismäßig rasche Erwärmung der Erdatmosphäre
sieht.
Al Gore hat ein Buch mit dem Titel "Eine unbequeme Wahrheit
- Die drohende Klimakatastrophe und was wir dagegen tun können."
geschrieben.
Parallel dazu wurde ein Film mit dem gleichen Titel gedreht, der
in Deutschland leider nur in kleinen Kinos lief und selbst die waren
nach Auskunft des Kinopersonals nicht voll. Anscheinend interessiert
sich niemand dafür solange er nicht direkt davon betroffen
ist.
Der Mensch im allgemeinen in seiner zeitlichen Beschränkheit
denkt eben nur kurz oder gar nicht über seine eigene Lebenszeit
hinaus. Der etwas rüde Ausspruch "Nach mir die Sintflut"
könnte für eine Reihe von Regionen dieser Welt bald traurige
Wirklichkeit werden.
Sowohl im Buch von Al Gore als auch in anderen früheren Publikationen
wie dem "Spiegel" sah und sieht man Aufnahmen über
den Zustand der Gletscher. Die Veränderungen in relativ kurzer
Zeit sind beeindruckend und zugleich besorgniserregend, denn die
Gletscher sind die Quelle für verschiedene Flüsse und
damit auch für unser Trinkwasser.
Das
Abschmelzen der Gletscher ist ein weltweites Phänomen. Es gibt
eine einzige Ausnahme - und hier irrt Al Gore - das ist der Perito
Moreno Gletscher im Nationalpark Los Glaciares im südlichen
patagonischen Argentinien (s. Abbildung 1). Dieser Gletscher - übrigens
ein einmaliges Naturerlebnis und eine der großartigsten Touristenattraktionen
in Südamerika - wird sogar größer.
Ebenso bedrückend sind die Fotos vom höchsten Berg Afrikas,
dem Kilimandscharo.
Anfang der Siebziger Jahre war ich einige Male in Kenia und Tansania.
Hatte man das Glück und konnte den Berg in seiner Gänze
sehen, so war das jedesmal ein überwältigender Anblick.
Oben die weiße Schneekappe und wenn es der Zufall gut mit
einem meinte, dann zogen für das Foto noch ein paar Giraffen
oder Elefanten vorbei. Der jetzige Zustand ist - man kann es nicht
anders bezeichnen - traurig: Nur noch geringe Schneereste schmücken
den Gipfel dieses außergewöhnlichen Berges.
Die Zeitschriften und Wochenpublikationen nehmen sich intensiv dieses
Themas an. Die Tageszeitung, die einem Großteil der Bundesbürger
zu einer eigenen Meinung verhilft, überschrieb mehrere Folgen
mit dem reißerischen Titel: Die Erde hat Fieber.
Die "Zeit" (3/07) - etwas moderater - zog nach: "Es
wird heiss auf dem Planeten Erde".
Es war seit Beginn der Wetteraufzeichnungen der wärmste Herbst.
Die Temperaturen lagen um 2,5 Grad über dem Mittelwert. Und
dieser Winter scheint ebenfalls in die Rekordannalen einzugehen.
Der "Focus" (3/07) gibt in einem Artikel mit der Überschrift
"Ein Frühlingsmärchen" an, daß der Dezember
im Schnitt 3,4 Grad zu warm war und daß der Januar, wenn es
so bleibt, um 7,3 Grad sämtliche Rekorde bricht.
Diese Alarmzeichen sollten den Menschen eigentlich zu denken geben.
Denn diese Symptome der Erde scheinen humanogen, also menschengemacht.
Der ungehemmte Verbrauch von Kohle, Erdöl und Erdgas läßt
das Temperaturgefüge der Erde und damit das Wetter Kapriolen
spielen.
Weiterhin holzt der Mensch in ungeheurem Mass die Tropenwälder
in Brasilien ab, um Rinderfarmen für den steigenden Fleischverzehr
anzusiedeln. In Indonesien ist der Raubbau von Edelhölzern
exzessiv - nur um die westliche Welt mit Palisander und Teak versorgen.
Einige Gebiete leiden unter zunehmender Trockenheit, so z.B. der
Süden der iberischen Halbinsel - trotzdem werden wegen der
Touristen weiterhin Golfplätze gebaut, die Unmengen von Wasser
verschlingen. Der Meeresspiegel dürfte ansteigen, da die Packeisareale
abschmelzen. In anderen Regionen kommt es zu starken Regenfällen
und Überschwemmungen sowie verheerenden Stürmen.
Die Temperaturen der Ozeane, auf unserer Biosphäre mit "verantwortlich"
für klimatische Veränderungen, steigen. Und was ebenso
dramatisch ist: Artensterben bei Pflanzen und Tieren wird die kakophone
Begleitmusik dieser Zustände sein.
Der Mensch wird diese Veränderungen überleben, aber es
dürfte nicht ohne Opfer und Füchtlingsströme abgehen,
was wiederum zu neuen Problemen führen wird.
Wenn nicht alles täuscht, wird dieser Zustand so schnell nicht
abzustellen sein.
Denn die "Aufbruchsländer" wie z.B. China haben einen
ungeheuren Energiebedarf und -verbrauch. Kann man es den Chinesen
und Indern verdenken, wenn sie auch auf ihr Recht einer individuellen
Mobilität pochen, wie es ihnen der Westen vorlebt, und sich
zunehmend mit Kraftfahrzeugen eindecken?
Die deutsche
Autoindustrie spielt im Konzert der Autobauer, was die Umwelt anbetrifft,
keinen schönen Part. Ein Großteil der Autos der Oberklasse
mit zum Teil ungeheurem Benzindurst wird in Deutschland produziert.
Bei allem Verständnis für Notwendigkeiten oder dem immer
wieder angeführten Argument von möglichen Arbeitsplatzverlusten
bleiben doch eine ganze Reihe von Fragen im Raum stehen.
Was soll und wem dient ein Auto mit 1001 PS?
Braucht ein Auto in der heutigen Zeit, in der die Autobahnen ohnehin
meist verstopft sind, unbedingt zwölf Zylinder?
Warum muß eine Firma im Norden unserer Republik gleich zwei
verschiedene Modelle des Spitzensegments bauen?
Ist es nicht gerade dort eine Art Egotrip und eine unselige Allianz
- wie sich nach dem Lustreisen- und Sex-Skandal herausstellte -
zwischen Firmenführung und Gewerkschaften?
Unser Umweltminister
Gabriel macht bei diesen Problemen ebenfalls eine traurige Figur.
Auf der einen Seite lehnt er eine Verlängerung der Laufzeit
der Atomkraftwerke ab um auf der anderen Seite den Bau neuer Kohlekraftwerke
zu befürworten. Diese sind mit ihren CO2-Emiisionen alles andere
als umweltfreundlich. Die immer wieder vorgetragene Sache mit den
erneuerbaren Energien erscheint mir äußerst fragwürdig.
Der Anbau von Pflanzen beispielsweise, um damit Autobenzin zu erzeugen,
ist nahezu schizophren, da damit die Erde wiederum geplündert
wird, ihr Nährstoffe entzogen werden und kostbares Ackerland
verloren geht.
Unsere
Erde ist, einmal aus dem Weltall betrachtet und das sprechen auch
die meisten Astronauten aus, eine große Kugel mit einer so
dünnen, schmalen Schicht, auf und in der sich unser Leben entwickelt
hat und weiter entwickeln soll, dass man fast darum bangen muß,
ob sie uns noch lange erhalten bleibt. (Abbildung 2)
Was kann der
einzelne nun tun, um unsere Erde in einem lebenswerten Zustand zu
erhalten und der Klimakrise entgegen zu wirken, solange es noch
nicht zu spät ist?
Der einzelne
Mensch kann sehr viel tun, aber es kann nur dann einen Erfolg haben,
wenn die Menschheit als ganzes sich der Probleme bewußt wird
und nicht nach dem Motto handelt: Fang du an!
Es sind kleine Schritte, kleine Maßnahmen, die in ihrer Gesamtheit,
von allen getragen, eine große Wirkung entfalten können.
So banal es klingt, aber viele "Klein" bewirken ein "Gross".
1. Überlegen Sie beim nächsten Autokauf, ob es nicht ein
Auto mit weniger PS und weniger Spritverbrauch sein kann. Warum
wollen Sie ihr manchmal sauer verdientes Geld den Ölscheichs,
den Öl-Multis, dem Staat und den Banken (beim Ratenkauf) zu
gute kommen lassen?
2. Muß in Ihrem Haus die Heizung im Herbst und Winter stets
so hoch eingestellt sein? Tut es nicht auch ein dickerer Pullover?
3. Eine volle Badewanne erfordert viel Energie und zudem Wasser.
Wie wäre es anstelle dessen mit dem Duschen und einem wassersparenden
Duschkopf?
4. Warum geht man zum Einkaufen nicht wieder mal zu Fuß? Oder
mit einem Fahrrad? Ist es notwendig, mit Autos, die zwanzig Liter
im Stadtverkehr verbrauchen, loszufahren, um eine halbes Pfund Butter
und ein paar Tomaten zu kaufen? Oder wie eine Zeitschrft neulich
schrieb: Warum mit einem Pkw mit dem Benzinverbrauch eines Panzers
zum Brötchenkaufen fahren?
5. Schalten Sie alle Geräte aus, wenn sie sie nicht brauchen.
Der Standby-Betrieb verbraucht auch summarisch viel Strom.
6. Machen Ihnen nicht auch mal die vielen Kondensstreifen am Himmel,
die man an klaren Tage sieht, Gedanken? Ob diese vielen Kohlendioxid-Emissionen
am Himmel für unsere Atmosphäre wohl günstig sind?
Wie wäre es, wenn Sie anstelle dessen auf ein bis zwei Flugreisen
im Jahr verzichten und mit der umweltfreundlicheren Bahn fahren?
7. Können Sie eventuell mit Einverständnis Ihres Arbeitgebers
einen Teil Ihrer Tätigkeit von zu Hause aus mit dem Computer
erledigen? Das erspart Ihnen die ohnehin lästigen Autofahrten.
8. Sparen Sie Papier. Wir sprechen zwar vom papierlosen Büro,
aber muß denn jeder - pardon - Mist, und wenn es nur zwei
Zeilen sind, gleich ausgedruckt werden?
Wie wäre es mit Recycling-Papier? Generell ist bekannt: Die
Papierherstellung rangiert auf dem vierten Platz der energieintensivsten
Industrien, stößt jede Menge Schadstoffe in die Luft
und führt zum Abholzen vieler Wälder (Gore).
9. Die Plastik ist eines trojanischen Pferde, die wir uns ins Haus
geholt haben. Überall Plastiktüten, Plastikverpackung
etc. Tut es nicht auch eine gewöhnliche Einkaufstasche?
10. Eine gesunde Ernährung ist nicht auf Fleisch angewiesen.
Muß es daher jeden Tag Fleisch sein? Denn um ein Kilo Fleisch
zu produzieren ist ein Mehr an Pflanzen und Futter und damit Energie
nötig. Damit würde man zugleich auch der industriemäßigen
"Produktion" von Geflügel und Rindern entgegenarbeiten.
Das sind sicher
nur einige Aspekte. Einige kleine Aspekte, Gedankensplitter quasi
- aber sie wären ein Anfang.
Irgendwie aber scheint unser oft unsinniges Verhaltem mit einem
vermeintlichen Streben nach Glücksgewinnung durch Konsum zusammenhängen.
Iris Radisch, manchem Leser vielleicht noch aus der Endphase des
"Literarischen Quartetts" von Marcel Reich-Ranicki bekannt,
beschreibt es in ihrem "Zeit"-Artikel "Wir können
auch anders" sehr treffend:
"Der westliche Lebensstil baut darauf, dass menschliches Wohlergehen
von einer schier unbegrenzten Auswahl unter ungezählten Produkten
abhängt. Das könnte ein Irrtum sein. Umfragen haben ergeben,
dass sich das Lebensgefühl durch den Besitz von Luxusgegenständen
nur kurzfristig bessern lässt. Sehr schnell gehört der
neue Geländewagen schon wieder zum gewohnten Standard, der
mit dem Erwerb neuer Waren überboten werden muss. Der gefährliche
spätindustrielle Wachstums-Wahnsinn hält in Wahrheit selten,
was er verspricht: mehr Lebensqualität."
Eine Rückbesinnung
auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens wäre für uns
und unsere Heimat im All, die Erde, gut.
Eine Firma warb einmal in den Zeitschriften mit einer Reklame und
folgendem Slogan:
Der nächste bewohnbare Planet ist Lichtjahre entfernt. Doch
wir verhalten uns auf der Erde, als könnten wir morgen schon
umziehen.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Abb1 Perito
Moreno-Gletscher
Abb 2 Erde
Literatur
Gore, Al: Eine unbequeme Wahrheit - Die drohende Klimakatastrophe
und was wir dagegen tun können; Riemann Verlag, München,
2006
Radisch, Iris: Wir können auch anders, Die Zeit 3/07
Dr. Dietrich
Volkmer
www.drvolkmer.de
|