Archiv
Phytotherapie - Pflanzenheilkunde
Das Archiv enthält nur die Einträge ab dem Jahr 2009. Sämtliche Einträge der früheren Jahre 2000 - 2008 wurden nicht übernommen.

Juli 2010

Mohn - Papaver somniferum

Familie der Papayeracea volkstümliche Bezeichnung:

Schlafmohn, Klatschrosen. Die je nach Standort bis zu 1 m hoch wachsende Pflanze gedeiht besonders auf nährstoffreichen Lehmböden. Die im Juni violett bis weiß blühende Pflanze hat am Grund der vier Kronenblätter einen dunklen Fleck. Die Blätter des Mohns sind eiförmig bis lanzettlich und doppelt gezähmt in der Farbe blaugrün.

Benutzte Teile und Wirkstoffe: Die reifen Mohmkapseln enthalten den Mohnsamen, bekannt auf Mohnbrötchen oder gemahlen im schlesischen Mohnkuchen.

Der giftige Milchsaft der unreifen Mohnkapsel enthält Alkaloide wie Morphin, Codein, Papaverin, Thebain, Narcotin und andere. Die Wirkung der einzelnen Bestandteile ist vielfältig: Schmerzstillend, hustenstillend, stopfend. Für einen optimalen Alkaloidgehalt benötigt die Pflanze einen besonderen Tag- und Nachtrhythmus, der in Asien erreicht wird. In Deutschland ist der Anbau nicht gestattet, obwohl der reife Samen alkaloidfrei ist.

Schon bei den Assyrern und den Ägyptern war diese schlagbringende, beruhigende und heilende Pflanze bekannt.

Mohn war in der alten Welt eine heilige Pflanze der Götter. Sie wurden mit anderen giftigen Pflanzen in besonderen Gärten abgepflanzt und von Priestern bewacht um die Menschen vor ihnen zu schützen.

In Griechenland verehrte man Morpheus als Gott der Träume, als einen der tausend Söhne des Schlafgottes Hypnos. Beiden wurden Kränze aus Mohnblumen geopfert. Im alten Ägypten wurden besonders in den Grabkammern jung verstorbener Prinzessinnen Girlanden aus Mohnblüten beigegeben als Symbol des rasch verblühten Lebens. Die große Anzahl der feinen Samenkörner machte den Mohn auch zum Symbol der Fruchtbarkeit, so tragen viele der Göttinnen wie Demeter, Aphrodite und Hera Mohnkapseln als Attribut in den Händen oder auf dem Kopf.

(von Conrad Kasten)

Mai / Juni 2010

Brunnenkresse ( Nasturtium officinale)

Brunnenkresse ( Nasturtium officinale) gehört zur Familie der Cruciferae. Volksnamen sind Bitterkresse, Wassersenf, Bachbitterkraut.

Es ist eine ausdauernde Pflanze mit 20 bis 80cm langen Trieben, die oft in dichten Rasen an Bächen und feuchten Wiesen wächst. Ihre eiförmigen Blätter haben einen scharfen Geschmack und werden gern im Frühjahr in frische Salate gemischt. Die kleinen weißen Blüten erscheinen von April bis Juni.

Inhaltsstoffe und Anwendung: Die Brunnenkresse Senfolglycoside, Bitterstoffe, Eisen, Jod und Vitamin A, C, D. So wurde und wird die Pflanze gern bei Stoffwechselstörungen, bei Schwächezuständen und bei Lungenleiden, Rheuma, Gicht, Galle-, Leber-, Magen-, Blasen-, und Nierenleiden eingesetzt.

Verschiedene pikante Zubereitungen als frische Beigabe sind Rührei, Suppen und in verschiedenen Weichkäsesorten.

E. Conrad Kasten

April 2010

Veilchen ( Viola odorata) Osterveigerl, Schwalbenblume

Das Veilchen gehört zur Familie der Violaceae.

Sie ist eine kleine etwa 10cm hohe Pflanze, die mit einem unterirdischen Wurzelstock sich in der Erde verzweigt.

Im Frühjahr entwickelt sich die Pflanze mit ihren herzförmig gestielten Blättern und den herrlich duftenden tiefvioletten Blüten, die von März bis April austreiben. Das Veilchen wächst gern an Hecken und Waldrändern. Die Frucht ist eine Kapsel mit kleinen Samen. Das zur Blütezeit gesammelte Kraut wird an der Luft getrocknet und zu Tees weiterverarbeitet. Die Hauptinhaltsstoffe sind Saponine, Bitterstoffe, Glycoside und Salicylsäuremethylester.
Heilwirkung und Anwendung: Bei Bronchitis, Halsentzündung und zur Blutreinigung, sowie bei diversen Hautkrankheiten. Es wird der Pflanzenextrakt in Salben verarbeitet.
Auch in der Homöopathie setzt man Viola bei Ohrenschmerzen, rheumatischen Gelenkerkrankungen, Asthma und Keuchhusten ein.
Symbolisch hat das Veilchen eine zwiespältige Bedeutung, einerseits ist sie die Pflanze der Demut und Bescheidenheit, anderseits haben sich Weltherrscher der Blume angenommen besonders wegen der purpurnen Farben wegen. Die Toga der römischen Senatoren hatten ein Purpurband. Homer, Plato, Napoleon und Goethe erklärten das Veilchen zu ihren Lieblingsblumen.

E. Conrad Kasten

März 2010

Christrose - Helleborus niger

Christrose (Helleborus niger) blüht in der Zeit in den Gärten und treibt seine weissen oder rosa Blüten
und Triebe aus dem Schnee hervor. Zum Ende der Blütezeit verfärben sich die Blütenblätter grün-gelb. Am Stengel befinden sich mehrere Hochblätter. Aus der unteren Wurzelknolle wachsen winterfeste, dunkelgrüne gefiederte Blätter je nach Größe der Pflanze 5-25 cm gross. Die Christrose wächst als Wildpflanze in den nördlichen und südlichen Kalkalpen in Buchen- und Kiefernwäldern. Bei uns ist sie eine gern gesehene Zierpflanze in den Gärten.

Wissenswertes: Die Pflanze gehört zu der Familie der Ranunculaceae und ist durch ihren Alkaloidgehalt giftig, die Hauptwirkstoffe sind Protoanemonin, Bufadienolide und Saponine. Ihnen wird die Wirkung zugeschrieben von kratzen im Mund und Rachen sowie Erbrechen und Durchfall. Die pulverisierten Rhizome sind Bestandteil von Schnupftabaksorten und von Niespulvern.
In einem alten Kräuterbuch dem TABERNAEMONTANUS wird ein Wein aus schwarzer Nieswurz beschrieben: Aus der Nieswurz machet man auch einen Purgierwein (Wein zum Abführen) er treibt die schwarze verbrannte Gall aus dem Leib. An einer andern Stelle steht: Er wird der zähe Schleim vertrieben wirkt gegen fallend Sucht schwäre Fantasey, Unsinnigkeit und Fieber. Äusserlich gebraucht vertreibet er Flechten Grind und andere Unreinheiten.
Auch in der Homöopathie wird Helleborus als sogenanntes kleines Mittel angewandt.

E. Conrad Kasten

Februar 2010

Ackergauchheil - Anagallis Arvensis

Ackergauchheil gehört zur Familie der Primulaceae. Es ist eine kleine 10cm große Pflanze mit seitlich verzweigten Stengeln und hat ungestielte eiförmige Blätter, die gegenständig manchmal auch quirlständig angeordnet sind. Man trifft sie in Gärten, Feldern und Brachland, sie blüht von Juni bis Oktober in einem zarten ziegelrot.
Inhaltsstoffe: Anagallis ist giftig und enthält Flavonoide, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe.
Heilwirkung: In der Antike und im Mittelalter wurde die Pflanze gegen Geisteskrankheiten und Tobsuchtanfälle eingesetzt, quasi ein Psychopharmakon. Heute wird Ackergauchheil in der Schulmedizin nicht mehr eingesetzt, dafür in der Homöopathie bei Geschwüren, Hautjucken und Psoriasis. Es wird auch gesagt das der Extrakt Splitter aus der Haut treibt. Im Kräuterbuch von Leonart Fuchs steht unter Hauchheil. Es legen den Schmertzen seubern ziehen aus Dorn und Spreissen heraus.

E. Conrad Kasten

Januar 2010

Luffa - Luffa operculata

Luffa ( Luffa operculata) gehört zur Familie der Curcubitaceae und ist in Mittelamerika eine verbreitete Schlingpflanze die an Hecken und Bäumen wächst. Die Blätter haben eine nieren- bis herzförmige Form, in den Achseln sitzen kleine gelbe Blüten. Die Früchte von der Grösse einer Pflaume haben eine dünne Schale und im Inneren ein markiges Gewebe und ein feines Fasergeflecht wie ein Schwamm. Die Pflanze wurde in Mittelamerika von den Einwohnern zur Behandlung von Nasen- und Nebenhöhlenkatarrhen eingesetzt. Der Arzt und Forscher Dr. Wilmar Schwabe brachte von einer seiner Expeditionen die Pflanze Luffa nach Europa.
Die Wirkstoffe sind Curcubitacine, Bitterstoffe und Triterpensaponine. Luffa wird gern in der Homöopathie in der Tiefpotenz eingesetzt bei Heuschnupfen, Rhinitis und Sinusitis. Die Urtinktur wird aus der Frucht mit Schale zubereitet.

Conrad Kasten

Dezember 2009

Edelkastanie - Castanea sativa

Edelkastanie, Esskastanie oder auch Maroni (Castanea sativa) ist ein Baum, der eine Höhe von 30 Metern
erreichen kann.
Arzneilich verwendet werden die Früchte und Blätter. Diese sind länglich lanzettlich und
am Rand gezahnt und stachelig. Im Mai, wenn der Baum blüht, durchströmt ein angenehmer süsslicher Duft
die Umgebung.
Die männlichen Blüten stehen in aufrechten Kätzchen an den Zweigen, während die weiblichen
Blüten vereinzelt in Fruchtbechern zu sehen sind. Die Heimat der Edelkastanie ist der Mittelmeerraum, aber
auch bei uns ist der Baum in manchen Gegenden wie Schwarzwald, Odenwald oder im Rhein- und Moselgebiet
häufig anzutreffen.
Die Ernte der Blätter erfolgt vom August bis Oktober. Ihre Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe, Triterpene, Flavonoide
und Vitamin C. In der Volksmedizin wurden die Blätter gegen Bronchitis, Keuchhusten, Asthma und anderen Atemwegserkrankungen angewandt. Im heutigen Arzneischatz ist dieses Mittel gestrichen worden.
Dafür sind die Früchte der Edelkastanie, die Maronen, wie eh und je in gerösteter Form eine willkommene Spezialität in
den Wintermonaten und besonders zur Weihnachtszeit. Gänse und Enten werden mit Edelkastanien, Äpfeln und
Gewürzen gefüllt und dann knusprig auf dem Tisch serviert.
In so manchem Gebirgstal der Alpen wie z. B. Soglio in Graubünden waren die Maronen die Hauptkohlenhydratspender im Winter.

E. C. Kasten

November 2009

Hamamelis virginiana - Virginische Zaubernuss

Der Hamamelis-Strauch, auch unter dem Namen Virginische Zaubernuss bekannt und manchmal Hexenhasel, Hopfenhainbuche, Wünschelrute und Zauberhaselnuß genannt, gehört zur Familie der Zaubernußgewächse (Hamamelidaceae), die vor allem in Amerika, Asien, Australien und Südafrika vorkommen. Auch die Virginische Zaubernuss ist in Amerika heimisch, und zwar in den östlichen Staaten der USA. Die Pflanze wurde 1736 erstmals nach Europa gebracht und wird heute bei uns gerne als Ziergehölz in Parks und Gärten kultiviert.
Man kann auch den Hamamelis-Strauch als "alte" Heilpflanze bezeichnen, denn er wurde schon lange, bevor er Europäern bekannt wurde, von den nordamerikanischen Indianern als Medizin bei verschiedenen Krankheiten und zur Wundbehandlung angewendet.
Arzneilich verwendet werden die Hamamelis-Blätter (Hamamelidis folium) und die Rinde (Hamamelidis cortex), die neben ätherischem Öl u.a. den Gerbstoff Hamamelitannin enthalten. Hamamelis übt einen Einfluss auf die Zirkulation des venösen Blutes aus und vermag die Wundheilung zu verbessern. Hamamelis ist Bestandteil zahlreicher Arzneispezialitäten, wie Hametum. Als Extrakt, Puder, Zäpfchen und Salbe helfen sie bei Haut- und Schleimhaut-Affektionen, Hämorrhoiden und Haut-Defekten.

Oktober 2009

Schlehe - Prunus spinosa

Die Schlehe ist ein Strauch von 1-3 m Höhe deren Zweige
in Dornen auslaufen. Die gestielten Blätter sind elliptisch und am Rand
gesägt. Im Frühjahr erscheinen zuerst die weissen Blüten und bieten Nahrung viele Insekten und besonders für
Bienen
Aus den Blüten entstehen zuerst grüne Beeren die sich im Herbst in dunkelblau verfärben.
Der Strauch wächst gern an Waldrändern und Wegen und Kalkböden.

Anwendung und Heilwirkung : Die im Frühjahr geernteten Blüten werden
getrocknet und als mildes Abführmittel in Tees eingesetzt, auch haben sie eine leichte
hartreibende Wirkung.

Inhaltsstoffe : Die Blüten enthalten Cumarinderivate, Flavonglykoside und Amygdalin.
Die Früchte enthalten Säuren, Vitamin C, Gerbstoffe und Amygdalin. Sie
werden nach dem Frost gesammelt und zu Schlehenmarmelade oder Saft verarbeitet und bei
Appetitlosigkeit eingesetzt. Durch seine stark adstringierende Wirkung werden die Beeren
als Hausmittel gern als Gurgelmittel bei Entzündungen der Mundschleimhaut gebraucht.

Ein Selbstversuch im Herbst: Kauen Sie mal vorsichtig eine Beere!

C. Kasten

September 2009


Arnica montana - Bergwohlverleih

ARNIKA (Arnica montana) oder auch Bergwohlverleih ist eine geschützte und
sehr empfindlich Pflanze falls man sie ausgegraben würde um sie an anderer Stelle
zu kultivieren, sie würde sicherlich bald eingehen.

Arnika gehört zu der Familie der Compositen und die schöne gelbe
Blüte kann man von Juni bis August im Gebirge auf Wiesen und im lichten Wald
bewundern.
Die ausdauernde Pflanze mit einem kriechenden Wurzelstock hat eine am Boden
sitzende Blattrosette, aus der ein je nach Standort ein bis zu 50 cm hoher
krautiger Stengel entspringt.
Wie schon erwähnt ist die Arnikapflanze bei uns geschützt und so wird die
Variante aus Amerika Arnica chamissonis für gewerbliche Zwecke genommen, da sie
rentabler angebaut werden kann. Die schonend getrockneten Blüten werden dann weiter zu
den verschiedenen Heilmitteln verarbeitet.
Inhaltsstoffe Ätherische Öle mit entzündungshemmender Wirkung, Flavonoide,
Cholin, Procyanidine Helenanin und Bitterstoffe wirken auf Herz und Kreislauf. Man
sollte aber Arnika nie als Tee trinken, denn die Magenschleimhäute werden stark gereizt.

Anwendung und Heilwirkung: Im Vordergrund steht die äußerliche Anwendung bei
Zerrungen, Quetschungen und Blutergüssen sowie bei schlecht heilenden
Wunden.
Als Gurgelmittel wird Arnikatinktur gern bei Mundschleimhautproblemen
eingesetzt.
In der Homöopathie ist ARNICA ein ganz großes Mittel (ein sogenanntes
POLYCHREST) hierbei werden die Teile der ganzen Pflanze verarbeitet von
niedrigen bis zu hohen Potenzen.. Man muss es selbst einmal erlebt haben wie intensiv die
Heilwirkung bei einer Schnittwunde oder bei einer Zahnextraktion ist.
Bei Muskelkater in der D30 oder bei einer Gehirnerschütterung in der D2oo ist Arnica sehr hilfreich.
Auch beim Altersherz und bei Arteriosklerose wir die Pflanze gebraucht.

Foto und Text

E. Conrad Kasten

August 2009

Thymian (Thymus vulgaris)

Thymian (Thymus vulgaris) auch Römischer Quendel genannt gehört zur Familie der Lippenblütler.Der 10 bis 30 cm große Halbstrauch
hat viele aufrechtevierkantige Stengel mit kleinen kurz gestielten elliptischen Blättchen, diese sind auf der
Unterseite behaart, oben glatt und am Rand etwas eingerollt. Die rötlich bis violetten Lippenblüten stehen in
Ähren. Die ganze Pflanze verbreitet durch ihre Ätherischen Öle einen angenehmen Duft.
Thymian liebt trockene sandige Böden und blüht von Juni bis August.
Verwendete Teile sind die blühenden Stengel die reich an ätherischen Ölen
sind wie Thymol,Carvacrol,Borneol und Cymol.
Anwendung und Heilwirkung : Gerade Thymol hat eine starke antiseptische Wirkung und so hat das Gemisch der ätherischen Öle eine desinfizierende und krampflösende Wirkung besonders bei Husten und Bronchitis. Auf den Verdauungstrakt
wirkt Thymian belebend und die Speisen werden besser verdaut; deshalb wird Thymian auch
gern in der Küche als Gewürz eingesetzt besonders bei fetten Gerichten und Fleischeintöpfen.
Auch in der Hömöopathie wird es in der Tiefpotenz bei Magen- und Darmbeschwerden gebraucht.

Die alten Ägypter haben wahrscheinlich Thymian in ihren Harzmischungen zur Konservierung der Mumien verwandt.

Über die Alpen kam Thymian im 10. Jahrhundert und wird bei Hildegard von Bingen
in ihrer "Physika" erwähnt.

E. Conrad Kasten

Juli 2009

Artischocke - Cynara scolymus

Die Artischocke (Cynara scolymus) ist ist eine Kulturpflanze und gehört zur Familie der Korbblütler.
Wahrscheinlich wurde sie aus der Kardone (Cynara cardunculus)
gezüchtet.
Die Pflanze kann bis zu zwei Meter hoch werden. Sie bildet eine grundständige Blattrosette
mit langen stark gefiederten Blättern. An den Blütenstielen sitzen mehrere
Blütenkörbe mit fleischigem Boden und Blättern, diese Teile werden als köstliches Gemüse
nach dem Kochen in Salzwasser warm oder kalt verzehrt.- Schon die alten Ägypter und später
die Griechen schätzten die Pflanze als heilendes Nahrungsmittel bei opulenten Essen. Sie
erkannten schon die Galle fördernde Wirkung und nannten sie die Pflanze der Reichen. Damals
nahm die Gesellschaft die Artischocke als Aphrodisiacum. Bekannt ist auch der Cynar -
ein milder Magenbitter.
Die Hauptanbaugebiete sind Italien ,Frankreich, Spanien, Rumänien und Nordwestafrika.
Arzneilich werden die frischen oder getrockneten Blätter der Pflanze genommen.
Die Hauptinhaltsstoffe sind Sesquiterpenlactone (mit Bitterstoffcharakter)
Caffeoylchinasäure, und Flavonoide. Die choleretische (Gallefördernde)
Wirkung kommt durch das Zusammenspiel dieser Substanzen zustande.
Die gute Leberschutzwirkung kommt durch das Cynarin (in der Caffeoylchinasäure
enthalten) zustande; die Durchblutung und die Fähigkeit Harnstoff abzubauen werden verstärkt. (besonders wichtig nach
eiweissreicher Kost) Wie bei der Mariendiestel wird die Ausscheidung des
toxischen Ammoniaks unterstützt. Eine wichtige Wirkung ist die Senkung des Cholesterinspiegels durch
die verstärkte Produktion der Gallensäure und die Hemmung der LDL-Oxydation. Somit haben
wir ein sehr gutes Phytopharmakon und ein lukullisches Gemüse.


E. Conrad Kasten

Als gutes Hausmittel haben sich Nemacynar Tropfen (Fa. Nestmann) bewährt. Es regt die Gallenproduktion an. Gut bei Völlegefühl, Blähungen, Verdauungstörungen. Kontraindikation: Bei Verschluss der Gallenwege und Überempfindlichkeit gegen Artischocken (Korbblütler)

Juni 2009

Waldbingelkraut - Mercurialis perennis

Waldbingelkraut wird volkstümlich auch Wildhanf oder
Scheisskraut genannt und gehört zur Familie der Euphorbiaceae. Es wächst als
mehrjährige Pflanze in den Wäldern Europas. Der vierkantige Stengel wird bis
zu 30 cm hoch und hat eiförmig lanzettliche gekerbte Blätter.
Die unscheinbaren grünlichen Blüten erscheinen von April bis Mai.
Die Pflanze vermehrt sich vorwiegend über den im Boden kriechenden Wurzelstock.

Mercurialis - nach dem Gott Mercur benannt - wurde schon zu Zeiten
Hippokrates' im fünften vorchristlichen Jahrhundert bei Frauenleiden,
besonders bei gestörter Monatsblutung und als Abführmittel eingesetzt.
Heute wird die Pflanze nur noch als Salbe bei Verbrennungen und Entzündungen
genommen.
Aber auch in der Homöopathie wird Mercurialis bei starker Mundtrockenheit (Zunge, Lippen) eingesetzt.

Inhaltsstoffe des Wurzelstockes sind Saponine, Cyanglycoside und ein blauer
Farbstoff; insofern kann man daraus die Giftigkeit des frischen Krautes
ableiten mit Symptomen heftigen Durchfällen und blutigem Urin.

E. Conrad Kasten

Mai 2009

Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
Familie der Boraginaceae. Früh im
Jahr spriessen die etwa 20 cm langen Stengel aus dem waagerecht wachsenden
Wurzelstock heraus. Die ganze Pflanze ist raubehaart , die dunkelgrünen Blätter sind mit hellgrünen
Flecken gesprenkelt. Am Stengelende sitzen mehrere rötliche Blüten die später blau
werden.
Blütezeit ist von März bis April. Lungenkraut liebt schattige Laubwälder und Gebüsche.
Verwendet werden die oberirdischen Teile. Die Inhaltsstoffe sind Flavonoide und Schleimstoffe,
Allantoin und Kieselsäure. Heilwirkung und Anwendung: Wie der Name schon sagt wurde
das Kraut in der Volksmedizin bei Husten , Lugenbeschwerden , Heiserkeit und
Verschleimung angewandt. Wahrscheinlich ist seit Paracelsus das Lungenkaut über die
Signaturenlehre in die Volksmedizin gekommen. In der heutigen Zeit wird die Pflanze
ganz selten eingesetzt.

Conrad Kasten

April 2009

Habichtskraut - Hieracium pilosella ( Volksnamen Mausöhrlein, Felsenblümli ) Familie der Compositae
Das Habichtskraut ist eine 10 bis 20 cm grosse Pflanze.
Die lanzettlichen Rosettenblätter sind auf beiden Seiten mit weissen Haaren besetzt.
Von Mai bis Oktober entspringt ein blattloser Blütenstengel, der nur
einziges gelbes Blütenköpfchen trägt.

Vorkommen: Die bescheidene Pflanze wächst auf trockenen Wiesen und lichten Waldstellen, sie liebt sandigen Boden.

Inhaltsstoffe und Wirkung: Gesammelt wird die ganze blühende Pflanze. Ihre Inhaltsstoffe sind
Gerb- und Bitterstoffe und Flavonoide.
Habichtskraut wird hauptsächlich nur noch in der Volksmedizin genutzt als mildes Mittel gegen
Entzündungen im Mund und Rachen, sowie bei Magen und Darmbeschwerden.
Auch als stärkendes Augenwasser wurde es eingesetzt.
Man behauptete der Habicht verdanke der Pflanze seine Sehkraft.

März 2009
Ackergauchheil ( Anagallis Arvensis)


Ackergauchheil gehört zur Familie der Primulaceae. Es ist eine kleine 10 cm große Pflanze mit seitlich verzweigten Stengeln und
hat ungestielte eiförmige Blätter ,die gegenständig manchmal auch quirlständig angeordnet sind.
Man trifft sie in Gärten, Feldern und Brachland, sie blüht von Juni bis Oktober in einem zarten ziegelrot..
Inhaltsstoffe :Anagallis ist giftig und enthält Flavonoide, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe.

Heilwirkung :In der Antike und im Mittelalter wurde die Pflanze gegen Geisteskrankheiten und Tobsuchtsanfälle eingesetzt. quasi ein
Psychopharmakon..
Heute wird Ackergauchheil in der Schulmedizin nicht mehr eingesetzt; dafür in der Homöopathie bei Geschwüren, Hautjucken und Psoriasis. Es wird auch gesagt
das der Extrakt Splitter aus der Haut treibt.-
Im Kräuter-Buch von Leonhart Fuchs steht unter Hauchheil :Es legen den Schmertzen seubern ziehen aus Dorn und
Spreissen heraus.

E. Conrad Kasten

Januar / Februar 2009
Klette - Arctium lappa


Die Klette (Arctium Lappa ) Familie der Compositae ist eine mehrjährige Pflanze die eine Höhe von 1 bis 1,5 m bekommen kann. Der fleischig kräftige
Stängel ist oft rot überlaufen und ist reichlich verzweigt. An der Basis der Pflanze sitzen grosse herz-eiförmige Blätter, die auf der Unterseite kräftig
behaart sind. Im oberen Bereich der Stängel sitzen die typischen kugeligen Blütenstände mit borstigen Verlängerungen an deren Ende Widerhaken
sitzen. Die Klette besitzt eine dicke fleischige bis zu 60 cm lange und weit
verzweigte Wurzel.
Die verwendeten Teile sind die im Herbst ausgegrabenen Wurzeln, diese enthalten Inulin, Schleimstoffe, Gerbstoff, Bitterstoff, Sitosterin und
fungizid wirkende Substanzen.
Heilwirkung und Anwendung: Die heutige Hauptanwendung ist das Klettenwurzelöl bei schuppiger Kopfhaut. Hergestellt aus der Wurzel und
Olivenöl. Als Hausmittel wurde die Pflanze gern als Blutreinigungsmittel und bei Leber- und Gallestörungen gebraucht.
Auch in Homöopathie als sogenanntes kleines Mittel wird Arctium lappa (D3 bis D12) gegen schuppige Erkrankungen der Kopfhaut angewandt.
In einem alten Kräuterbuch steht:
Die Wurzel gekochet und davon getrunken, treibet den Schweiss und wird wider den Stein und die Ruhr gebrauchet.
Die Wurzel gestossen und mit Schmalz vermischet am Hals übergelegt vertreibt Kröpfe.

E.Conrad Kasten

Biologische Medizin: Diagnose-Formen , Therapie-Formen , Zahnheilkunde
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